Best Practice

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Wettbewerb "Familienfreundlichkeit an der Charité" 2012

Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren stellt einen Balanceakt dar, der nur gelingen kann, wenn Vorgesetzte und Beschäftigte sich gemeinsam engagieren, darin sind sich alle am Thema Interessierten einig.

Und gleichzeitig stellt familienbewusste Personalpolitik einen immer bedeutsamer werdenden Wert dar, der in sehr unterschiedlichem Maße an der Charité gelebt wird. 

Mit der Durchführung eines "best practice - Wettbewerbs" war es unser Ziel, familienfreundliche Beispiele sichtbar zu machen und durch deren Kommunikation zur Nachahmung anzuregen.

Der Wettbewerb

Auf Flyern und Postern, im Intranet haben wir auf den Wettbewerb hingewiesen. In seiner Eröffnungsrede auf dem Mitarbeiterfest hat Prof. Einhäupl den Wettbewerbsstart am 17.08.12 bekannt gegeben. Von August bis November 2012 haben einzelne Beschäftigte - die ihren Bereich oder einzelne Vorgesetzte für eine Prämierung vorgeschlagen haben-, Arbeitsgruppen, Pflege- und Funktionsbereiche ganzer Charité-Centren, Institute und Verwaltungsbereiche teilgenommen und Ihre Bewerbung mit ausgefüllten Fragebögen eingereicht. Von den 18 Bewerbungen konnten 16 in die Wettbewerbsentscheidung eingehen, bei zwei Einsendungen konnte kein Adressant ermittelt werden. Die Bewerbungen umfassten über 3100 Beschäftigte.

Wir möchten uns an dieser Stelle für alle Bewerbungen herzlich bedanken und werden die guten Beispiele kommunizieren.

Auswertung und Jury

Nach einer ersten Auswertung wurde klar, dass die Angaben in den Fragebogen nicht ausreichen würden, um eine Bewertung vorzunehmen. In den vorgenommenen vertiefenden Interviews wurden konkrete Beispiele intensiv verdeutlicht.

Der Jury ist es nicht leicht gemacht worden, aus den wirklich sehr wertvollen Bewerbungen die Preisträger und Preisträgerinnen zu ermitteln.

Für eine engagierte Mitarbeit als Jurymitglied konnten als interne und externe Expertin/ Experte für das Thema "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" gewonnen werden:

  • Frau Barleben (Projektmanagerin "Audit beruf und familie")
  • Frau Colle (Personalmanagerin bei Vivantes Berlin)
  • Frau Francois-Kettner (Pflegedirektorin der Charité)
  • Herr Dr. Jürgensen (Geschäftsführer der Charité)
  • Herr Nöhring (Leiter der Geschäftsstelle des Berliner Beirats für Familienfragen)
  • Frau Weschler (Referentin Innovation & Entrepreneurship der Stiftung Charité)

Für eine transparente Auswertung wurden allen Beiratsmitgliedern die Bewerbungsunterlagen, zusammenfassende Darstellungen und Tabellen vorgelegt. Für die Auswahl der besonders herausragenden Bewerbungen zählte häufig nicht das einzelne Beispiel, sondern das sich darstellende herausragende Gesamtbild.

So reichen die Beispiele vom Initiieren von Einzelmaßnahmen-  von Urlaubsregelungen, Elterndiensten und Tätigkeitskatalogen für werdende Mütter; von der umfassenden Integrierung des Themas in Personal-, Arbeitszeit- und Organisationskonzepte bis zur Reorganisation von Abläufen und Strukturen, die zu ganz neuen Tätigkeitsfeldern führten; sie reichen von geplanten  flexiblen Wiedereinstiegen nach Elternzeit bis zum Sicherstellen von Karriereverläufen.

In allen siegreichen Bewerbungen wurde die wahrgenommene, vorbildhafte Verantwortung der Vorgesetzten deutlich.

Dieser Wettbewerb hat auch gezeigt, dass vor allem für Bereiche des Ärztlichen Dienstes viele Handlungsspielräume an der Charité existieren.

Preisträger des Wettbewerbs Familienfreundlichkeit an der Charité 2012

v.l.n.r.: Prof. Annette Grüters-Kieslich, Senatorin Sandra Scheeres, Dagmar Hildebrand (CC13), Prof. Ulrike Blume-Peytavi (Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie), Sabine Barleben (Familienbüro), Dr. Annette Moter (Institut für Mikrobiologie und Hygiene), Prof. Karl Max Einhäupl, Evelyn Starkiewicz (CC7)

Auszeichnen konnten wir im Rahmen des Neujahrsempfangs drei Bereiche und eine Einzelperson, die sich immer über das normale Maß hinaus engagierten, oft kreative und ganz individuelle Lösungen fanden, um den besonderen Bedürfnissen von Beschäftigten mit Familienverantwortung entgegenzukommen.

 

 

Ausgezeichnete Bereiche der Charité

Porträt CC 7: Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin

Der Pflege– und Funktionsdienst im CC7 wird als Bereich für sein herausragendes Engagement ausgezeichnet, weil es hier weit über vorhandene Möglichkeiten hinaus gelingt, ganz individuelle Lösungswege zu begehen. Daneben erfolgt eine umfangreiche Kommunikation der Führung über Möglichkeiten und den unbedingten Willen der Führung, Vereinbarkeit zu ermöglichen.

Steckbrief

  • CC 7 Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin
  • Dienstarten: Pflege- und Funktionsdienst
  • Pflegecentrumsleitung: Frau Evelyn Starkiewicz

 

Was hat die Jury überzeugt?

"In jedem Arbeitsgespräch wird individuell das Thema (Vereinbarkeit von Beruf und Familie) besprochen."

  • Signalisieren der stetigen Bereitschaft der Führungskräfte, Vereinbarkeit zu ermöglichen
  • Für alle familienbedingten Erfordernisse werden individuelle und kreative Lösungen gefunden
  • Nutzung von Erfahrungswissen
  • Bei Einschränkung des Schichtdienstes Änderung von Tätigkeiten
  • Einführung von Projektarbeit mit Homeoffice
  • Umfangreiche Arbeitszeitmodelle
  • Lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung
  • Elterndienste
  • Jobsharing auch für Führungskräfte
  • Springerpool



Im Gespräch mit Frau Evelyn Starkiewicz, Pflegecentrumsleitung CC 7

Familienbüro: Wie würden Sie den Begriff "Familienfreundlichkeit" in Bezug auf ein familienfreundliches Unternehmen definieren? Und was zeichnet für Sie ein familienfreundliches Unternehmen bzw. einen familienfreundlichen Bereich aus?

E. Starkiewicz: Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist es wichtig, immer beide Seiten zu betrachten: auf der einen Seite die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen, aber auf der anderen Seite dürfen wir auch die Interessen des Unternehmens nicht vergessen.

Es erfordert außerdem eine gute Kommunikation und eine Bweglichkeit durch Vorgesetzte und Beschäftigte. Nur wenn beide Seiten in eine Richtung gehen und eine Kultur des Gebens und Nehmens gelebt wird, lassen sich auch individuelle Lösungsmöglichkeiten realisieren, wie z.B. ein neuer Einsatzort, wenn aus familiären Gründen eine Tätigkeit im Schichtdienst nicht mehr möglich ist.

Ein famileinefreundliches Personalmanagement bezieht sich darüber hinaus nicht nur auf Beschäftigte mit Kindern, sondern schließt ebenso z.B. Alleinstehende mit einer ganz anderen Lebensplanung und unterschiedlichsten Bedürfnissen ein. "Familie" sind Eltern und andere Angehörige, auch dies muss berücksichtigt werden und Beachtung finden.

Familienbüro: Wo sehen Sie als Vorgesetzte konkrete Handlungsmöglichkeiten für Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz?

E. Starkiewicz: Damit wir agieren können, ist es wichtig, dass Probleme überhaupt an uns herangetragen, also kommunisziert werden.

Im gemeinsamen Gespräch schauen wir, was die Beschäftigten benötigen, was wir unterstützen können und was in dem jeweiligen Arbeitsbereich leistbar ist.

Kollegialität  und Solidarität sind wichtige Punkte für Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz und unterstützten die Handlungsmöglichkeiten von Vorgesetzten und der Leitungsebene. Sind beispielsweise bei einem/er MitarbeiterIn die Kinder dem Kleinkindalter entwachsen und er/sie benötigt jetzt weniger Betreuungszeit,  verzichtet er/sie auf einen früheren Bedarf. Wenn diese freiwerdende Kapazität dann dem Vorgesetzten oder der Leitung mitgeteilt wird, besteht hier wieder die Möglichkeit, einem anderen Mitarbeiter /Innen die Unterstützung zukommen zu lassen. Gibt es in dem Arbeitsbereich der/des Beschäftigten keine geeignete Lösung, dann gilt es andere Möglichkeiten zu finden, beispielsweise durch Veränderung der Tätigkeit  oder des Einsatzortes.

Der Wille, auf die Bedürfnisse der Beschäftigten einzugehen, sie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen und individuelle mit dem Arbeitsbereich abgestimmte Lösungen zu finden  betrachten wir in der Leitungsebene im CC7 als selbstverständlich und Grundvoraussetzung. Wir nutzen auch gern die Unterstützungsmöglichkeiten des Familienbüros und informieren unsere MitarbeiterInnen dahingehend.

Familienbüro: An dieser Stelle würden Wir gerne einmal einen Blick in die Zukunft werfen! Welche Ideen, Maßnahmen und Projekte haben Sie für mehr Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz?

E. Starkiewicz: Zukünftige Maßnahmen und Projekte werden maßgebend von den Bedürfnissen der MitarbeiterInnen bestimmt. Derzeit bieten wir an, was im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt, z.B. Reduzierung des Schichtdienst, späterer Dienstbeginn, Teilzeitarbeit, Arbeitszeitreduzierung für Mitarbeiter im Studium auf 25 % oder sogar 15 %. Das alles geht natürlich nur immer im Rahmen des Machbaren und hängt davon ab, was von dem jeweiligen Bereich und den Mitarbeitern getragen werden kann.  Für die Pflege gibt es z.B. nicht die Möglichkeit eines Sabbatical bzw. Arbeitszeitkonten. Dies wäre für eine weitere Flexibilisierung von Vorteil. Wir versuchen Mitarbeiterorientiert zu arbeiten, also "neben" der Familie (Kinder, zunehmend auch Eltern und Großeltern Versorgung) auch Mitarbeiterkarrieren zu unterstützen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn sich alle Seiten "bewegen".

Familienbüro: Welche Verwendungsideen möchten Sie mit dem gewonnen Preisgeld umsetzen?

E. Starkiewicz: Es besteht die Idee, mit einem Teil des Geldes den INA-Kindergarten am Campus Virchow-Klinikum zu unterstützen sowie ein Mitarbeiter/Kinderfest zu veranstalten. Eine weitere Möglichkeit für die teilweise Verwendung des Preisgeldes wäre die Unterstützung einzelner Bereiche, welche besonders im Bereich Familienfreundlichkeit unterwegs sind.

 


Das Gespräch führten Doreen Makowiak und Arlette Schwanke.

Porträt CRC: Clinical Research for Hair and Skin Science

Mit dem Bereich Clinical Research for Hair and Skin Science (CRC) an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie wird ein Bereich ausgezeichnet, in dem  umfangreiche Möglichkeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Forschung und Familie geschaffen wurden und der Führung durch die Beschäftigten bescheinigt wird, dass Familienfreundlichkeit sich durch Taten wirkungsvoll vermittelt

Steckbrief - Frau Prof. Dr. med. Ulrike Blume-Peytavi, Direktorin CRC

  • Bereich Clinical Research for hair and skin science (CRC) an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie 
  • Direktorin CRC und Leitende Oberärztin: Univ-Prof. Dr. med. Ulrike Blume-Peytavi
  • Anzahl der Beschäftigten                    29          
  • Anzahl betreuter Kinder                      19
  • Teilzeitbeschäftigte                             12          
  • Anzahl zu pflegender Angehöriger     1
  • Beschäftigte in Elternzeit                     1        

 

Was hat die Jury überzeugt?

"Durch feste Schließzeiten an Weihnachten/Neujahr und in den Sommerwochen, wird besonders den Eltern mit schulpflichtigen Kindern "ungestörtes" Familienleben ermöglicht, wo die Betreuung durch Kita, Hort etc. fehlt."

"Führung: Familienfreundlichkeit vermittelt sich durch Taten"

In Mitarbeiter- und Zielvereinbarungsgesprächen ist die individuelle und private Situation Gesprächsgegenstand, um erreichbare Ziele zu finden.

  • Schaffung individueller Arbeitszeitmodelle nach der Elternzeit
  • Home-Office Tage nach Absprache
  • Phasenweise Freistellung von klinischer Routinetätigkeit
  • Erste Gespräche über beruflichen Wiedereinstieg noch vor Beginn der Elternzeit

 

 

"Modell CRC"

Das CRC Modell beschreibt zum einen die Schließzeitenregelungen und zum anderen den Umgang mit Projekten und Ressourcen während der Elternzeit junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlicher.

Jungen Eltern wird die Reduktion ihrer Arbeitszeit ermöglicht während gleichzeitig freiwerdende Ressourcen für die Unterstützung der in Teilzeit gehenden Eltern eingesetzt werden: Ausbau wissenschaftlicher Sekretariate, zur Übernahme administrativer Tätigkeiten und Koordination und Hinzugewinn von Personal wie z. B. Technischer Assistenten, Study Nurses oder Studentischer Mitarbeiter, die bestimmte Versuche im Labor mit bearbeiten und Dokumentation aus den Sprechstunden machen. Im Ergebnis kommt es zu einer Entlastung bei Routine- und Verwaltungstätigkeiten ohne Verlust an Produktivität.

Im Idealfall fördert die Entlastung den Erwerb neuer Drittmittel zur Weiterfinanzierung der unterstützenden Stellen. Das CRC hat sich in den letzten 12 Jahren stetig personell vergrößert und zeigt somit, dass das Modell auch im Bereich Personalentwicklung funktioniert und nicht nur als familienfreundliches Modell betrachtet werden sollte.

 

Im Gespräch mit Frau Prof. Dr. med. Ulrike Blume-Peytavi, Direktorin CRC und Leitende Oberärztin

Familienbüro: Wie würden Sie den Begriff "Familienfreundlichkeit" in Bezug auf ein familienfreundliches Unternehmen definieren? Und was zeichnet für Sie ein familienfreundliches Unternehmen bzw. einen familienfreundlichen Bereich aus?

U. Blume-Peytavi: Ein Familienfreundliches Unternehmen ist ein Unternehmen, dass die Mitarbeiter und ihr persönliches Umfeld sowie die soziale Situation berücksichtigt. Die Beschäftigten sollten dabei in die Planung so einbezogen werden, dass sie ihrer Arbeit nachgehen können, ohne Zerrissen zu werden zwischen Familie, klinischer Tätigkeit und Forschung.

In dem Moment, in dem der Mitarbeiter immer mit Angst und Sorge im Hinterkopf arbeiten muss und sich fragt: "Sind die Kinder gut versorgt?", "Komme ich rechtzeitig raus?", "Was passiert, wenn ich aus der Schwangerschaft zurückkomme?" "Habe ich dann noch meinen Job?", unter diesen Voraussetzungen können sich MitarbeiterInnen nicht entspannen und vollständig der Arbeit widmen.

Das heißt auch, dass ein familienfreundliches Unternehmen, eine Win-Win-Situation schaffen sollte und zwar genau dann, wenn der Arbeitgeber auf seine Arbeitnehmer Rücksicht nimmt und diese Rücksichtnahme auch dem Arbeitgeber, von Seiten des Arbeitnehmers entgegengebracht wird.Ich sehe es als eine partnerschaftliche Aufgabe zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Interesse des Unternehmens und im Interesse des Arbeitnehmers, die beste Lösung finden.

Hier sehe ich auch den Grund dafür, warum es bei uns so gut funktioniert, weil hier ein Fairplay von beiden Seiten existiert.

Familienbüro: Wo sehen Sie als Vorgesetzte konkrete Handlungsmöglichkeiten für Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz?

U. Blume-Peytavi: Konkrete Handlungsmöglichkeiten sehe ich darin, flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen, ebenso wie Homeoffice. Die Verteilung von Projekt- und Teilaufgaben  sollte so erfolgen, dass diese innerhalb einer gewissen Zeit, jedoch mit flexiblen Arbeitszeiten zu erledigen sind.

Zu berücksichtigen sind hierbei flexible Urlaubs- und Schließzeitenregelungen, die bewirken, dass wir in bestimmten Zeiträumen die  Arbeitsaufgaben herunterfahren und nur mit einer Notfallbesetzung arbeiten.

Die Schließzeiten und Arbeitsreduzierungen für bestimmte Zeiträume im Jahr benötigen natürlich eine gute vorausschauende Planung um sie  gut zu realisieren. Es gibt natürlich noch weitere Handlungsmöglichkeiten von Seiten des Arbeitgebers. In der Klinik besteht bei uns  z.B. für Mütter die Kinder unter zwei Jahre haben, die Möglichkeit, dass sie vom Bereitschaftsdienst befreit sind. Sie können teilnehmen, müssen aber nicht.

Familienbüro: An dieser Stelle würden Wir gerne einmal einen Blick in die Zukunft werfen! Welche Ideen, Maßnahmen und Projekte haben Sie für mehr Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz?

U. Blume-Peytavi:  Ich denke, Ziel sollte es sein, das durchzuhalten, was wir bisher etabliert haben: die Schließzeitenregelung, flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeiten im Rahmen der Projektarbeit, Homeoffice oder Befreiung von der Rufbereitschaft für Mütter mit Kindern unter zwei Jahren. Wir haben beispielsweise außerdem einen Parkplatz für eine schwerbehinderte Mutter angemietet und finanzieren diesen aus Drittmitteln . Nicht zu vergessen sind unser regelmäßiges Sommerfest und Teammaßnahmen mit den MitarbeiterInnen und ihren Kindern. 

Wichtig ist einfach, Verständnis für die familiäre Situation der Beschäftigten zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen -  das schweißt zusammen und unterstützt zudem ein gute Arbeitsatmosphäre.  Dass wir auf dem richtigen Weg sind zeigt sich auch darin, dass alle MitarbeiterInnen nach der Elternzeit wiederkommen, bleiben und verlängern möchten. Viele MitarbeiterInnen arbeiten seit vielen Jahren am CRC. 

Familienbüro: Welche Verwendungsideen möchten Sie mit dem gewonnen Preisgeld umsetzen?

U. Blume-Peytavi:  Die Überlegungen gehen in die Richtung, einen kleinen Spot auf unserer Homepage zu präsentieren und so unsere Maßnahmen zu kommunizieren. 

Wir würden weiterhin gern für unsere forschenden Eltern noch eine studentische Hilfskraft für ca. 2 bis 3 Monate finanzieren, um ein bestehendes Projekt mit dieser zusätzlichen Summe zu fördern.

 


Das Gespräch führten Doreen Makowiak und Arlette Schwanke.

Porträt CC13: Pflege- und Funktionsdienst

Der Pflege– und Funktionsdienst im CC13  wird für das Engagement ausgezeichnet, allen Beschäftigten mit familiärer Verantwortung entgegenzukommen und mit der Entwicklung von generellen Regelungen zu unterstützen. Hier werden auch die besonderen Bedürfnisse  von Alleinerziehenden und Beschäftigten, die Angehörige pflegen in den Mittelpunkt gerückt und Möglichkeiten und Angebote, die zu einer besseren Vereinbarkeit führen, intensiv kommuniziert. Daneben wird immer auf einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen in den Teams geachtet.

Steckbrief - Dagmar Hildebrand, Pflegerische Centrumsleitung CC13

  • Centrum: Innere Medizin mit Gastroenterologie und Nephrologie (CC 13)
  • Dienstarten: Pflege- und Funktionsdienst
  • Versorgungstypen: stationäre Pflege, 2 Intensivbereiche, Tageskliniken, Ambulanzen, Funktionsbereiche
  • Pflegerische Centrumsleitung: Frau Dagmar Hildebrand
  • Anzahl der Beschäftigten                 441    
  • Anz. betreuter Kinder                       ca. 180
  • Teilzeitbeschäftigte                         223    
  • Anz. zu pflegender Angehöriger     ca. 15
  • Beschäftigte in Elternzeit                16

 

Was hat die Jury überzeugt?

"Teilzeit ist so gut wie immer möglich. Einige Bereiche haben für Mütter mit Kindern den Bedürfnissen entsprechende Dienstzeiten eingerichtet."

"Drei Monate vor Wiedereinstieg nach Elternzeit wird im persönlichen Gespräch Arbeitszeit, Einsatzort, Kinderbetreuung und Qualifizierungsbedarf geplant."

Konzept: (Werdende) Mütter im Pflegedienst des CC 13

  • Umfassende und problemlose Teilzeitbeschäftigung
  • Kommunikation - Konzepte zu "Werdende Mütter im Pflegedienst"
  • Familienfreundliche Urlaubsplanung
  • Sichere Dienstpläne - Besondere Berücksichtigung Alleinerziehender
  • Termine für Dienstbesprechungen stehen monatlich, meist sogar für das Jahr im Voraus fest.
  • Umfassende Kommunikation : Flyer für pflegende Angehörige, Konzept "Mütter im Pflegedienst", Informationsblatt, Regularien für familienfreundliche Urlaubsplanung

 

Im Gespräch mit Frau Dagmar Hildebrand, Pflegerische Centrumsleitung CC13

D. Hildebrand: Beim Thema Urlaubsplanung sind die Vorgaben der Charité, des Bundesurlaubsgesetz und des Berliner Bildungsurlaubsgesetzes für einzelne Mitarbeiter aber auch Führungskräfte schwer verständlich und nicht immer einfach unter einen Hut zu bringen. (Urlaubsplanung im Pflegedienst des CC13)

Zur Erleichterung haben wir für das CC13 schriftlich fixierte Leitfäden entwickelt, die es in dieser Art bisher nur in hier gibt. Sie enthalten Empfehlungen und Vorgaben über regelmäßig zu führende Gespräche während der Schwangerschaft, nach dem Mutterschutz oder bei der Rückkehr aus der Elternzeit in den Beruf. Ziel ist es, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rechtzeitig Gespräche zu führen, um den Wiedereinstieg vorzubereiten und wichtige Fragen zu klären: Kitaplatzsuche, Arbeit im Schichtdienst, Alternativangebote der Charité.

In unregelmäßigen Abständen (zwei- bis viermal jährlich) geben wir außerdem einen Infobrief für Mitarbeiter heraus, der auch für Mitarbeiter bspw. in Elternzeit vor ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz von Interesse ist. Sie erhalten so Informationen über die Entwicklungen ihres Bereichs der letzten Monate, aktuelle Projekte, Baumaßnahmen, anstehende Umzüge, neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Jubiläen etc.

Für Angehörige von Patienten entwickelten wir einen Flyer, der zukünftig eventuell auch übergreifend in der Charité zum Einsatz kommt. Dieser informiert bei der Pflege von Angehörigen über Hilfsangebote und Kontaktadressen und ist damit auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Unterstützung.Familienbüro: Wie würden Sie den Begriff "Familienfreundlichkeit" in Bezug auf ein familienfreundliches Unternehmen definieren? Und was zeichnet für Sie ein familienfreundliches Unternehmen bzw. einen familienfreundlichen Bereich aus?D. Hildebrand: Ich glaube das Wichtigste ist, dass ein Unternehmen vor allem vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels in der Pflege Möglichkeiten anbietet, dass die Mitarbeiter  im Sinne einer Work-Life-Balance das Familienleben und den Beruf gut in Einklang bringen können.

Familienbüro: Wo sehen Sie als Vorgesetzte konkrete Handlungsmöglichkeiten für Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz?

D. Hildebrand: Ich glaube, wir könnten noch flexibler werden was die Dienstplangestaltung betrifft. Ich kenne Einrichtungen in denen beispielsweise ganz gezielt Rückkehrerinnen und Rückkehrern in den Pflegeberuf auch die Möglichkeit angeboten wird, ihren Arbeitsvertrag und ihre Dienstzeiten so zu gestalten, dass sie nur Früh-, nur Spät- oder nur Nachtdienste machen, um so durch einen dauerhaft gleichen Dienst anstelle von Wechselschichtplänen besser planen zu können. Ich glaube da haben wir durchaus noch Potenzial in der Charité.Das Wichtigste ist, auch wenn wir auf einem guten Weg sind, den Mitarbeitern mitzuteilen, welche Angebote es bereits gibt. Man muss als Vorgesetzter kontinuierlich dranbleiben um die Bereitschaft zu wecken, diese Angebote auch zu nutzen. Ich finde z.B., dass die Einrichtung eines  Spielzimmers eine gute Idee ist.Eine mir bekannte Mitarbeiterin, die Kidsmobil als Möglichkeit zur Notfallbetreuung nutzt, ist damit hochzufrieden. Es ist ein Angebot für alle Mitarbeiter. Aber auch das Pflänzchen braucht noch etwas Zeit zum Wachsen. Und da sehe ich sozusagen auch meine Hauptrolle vermittelnd tätig zu werden.

Familienbüro: Ein Blick in die Zukunft! Welche Ideen, Maßnahmen und Projekte haben Sie für mehr Familienfreundlichkeit?

D. Hildebrand: Wir suchen in unserem Zentrum nach möglichen Alternativangeboten für ältere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Gerade die Pflege ist insbesondere in der Normal- und Intensivpflege ein körperlich enorm belastender Beruf, den man nicht in jedem Fall bis zum 65. Lebensjahr in vollem Umfang ausüben kann.

Familienbüro: Welche Verwendungsideen möchten Sie mit dem gewonnenen Preisgeld umsetzten?

D. Hildebrand: Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Leitungsfunktionen setzen sich sehr dafür ein, die Dienstzeiten auf die Anforderungen ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen abstimmen. Ich möchte daher diesen ganz gezielt die Teilnahme an Kongressen oder Workshops bzw. Schulungsangeboten zum Thema Familienfreundlichkeit ermöglichen, um diese Bemühungen zu unterstützen.Es sollen hierbei auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen werden, die Angebote der Charité nutzen, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Das hilft manchmal wesentlich mehr, als nur von einem Angebot zu lesen und gar nicht konkret zu wissen, was sich dahinter verbirgt.

 

 

Das Gespräch führten Doreen Makowiak und Arlette Schwanke.

Porträt AG Moter: AG am Institut für Mikrobiologie und Hygiene

Die AG  am Institut für Mikrobiologie und Hygiene  unter der Leitung von Frau Dr. Moter wird als herausragendes Einzelbeispiel ausgezeichnet. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und junge Mütter berichten in den durch sie eingereichten Wettbewerbsunterlagen über Ihre Erfahrungen während der Schwangerschaft, der Elternzeit und des Wiedereinstiegs. Sie beschreiben, wie die Beschäftigten der AG durch ihre Vorgesetzte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt werden.

 

Steckbrief

  • AG am Institut für Mikrobiologie und Hygiene, CBF
  • Leitung: Frau Dr. Annette Moter
  • Anzahl der Beschäftigten     9    
  • Anz. betreuter Kinder          3
  • Teilzeitbeschäftigte            3
  • Beschäftigte in Elternzeit     1

 

Was hat die Jury überzeugt?

"Für die Kinderbetreuung / Stillen vor Ort hat Fr. Dr. Motor einen kindersicheren Raum inkl. Wiege und Spielteppich und Computerarbeitsplatz eingerichtet. Eltern können ihre Kinder zu Besprechungen mitbringen."

"Angebot zur Teilzeitarbeit auf Honorarbasis  für Mitarbeiter/innen in Elternzeit insbesondere auch während der Übergangszeit zwischen- Elternzeit und Wiedereinstieg in den Beruf z.B. durch Projektarbeit."

"MitarbeiterInnen sind auch während der Elternzeit ein Teil des Teams und werden in Telefonkonferenzen, per E-Mail und persönlichem Kontakt, in Arbeitsabläufe miteinbezogen. Neben der Möglichkeit, telefonisch an Besprechungen teilzunehmen, werden auch Gruppenschaltungen über Skype (Onlinemessenger) eingesetzt."

  • Vertragsangebot im Anschluss der Elternzeit
  • Bei Besprechungen, Festen und gemeinsamen Essen sind alle Kinder herzlich willkommen.
  • Unterstützung durch intensives, persönliches Engagement und herzliche Atmosphäre
  • Flexible Arbeitszeitregelungen und sehr individuelle Möglichkeiten zum Wiedereinstieg nach Elternzeit
  • Homeofficemöglichkeiten für Schwangere und betreuende Mitarbeiter
  • Beteiligung der Eltern in Elternzeit über Internet– und Telefonkonferenzen
  • Familienfreundliche Besprechungszeiten und Urlaubsplanung nach Absprache
  • Jobsharing als bereits gelebte Praxis
  • Umfassende Karriereplanung und Aufzeigen von Perspektiven unter Berücksichtigung der familiären Situation
  • Mitarbeiter/innen werden über die Möglichkeiten für mehr Familienfreundlichkeit informiert


Im Gespräch mit Frau Dr. Annette Moter, Leiterin der AG

Familienbüro: Wie würden Sie den Begriff "Familienfreundlichkeit" in Bezug auf ein familienfreundliches Unternehmen definieren? Und was zeichnet für Sie ein familienfreundliches Unternehmen bzw. einen familienfreundlichen Bereich aus?

A. Moter: Das beginnt bereits damit, den Mitarbeitern zu signalisieren, dass Kinder willkommen sind und eine Schwangerschaft kein Ende der Karriere bedeutet. Gemeinsam finden wir einen Weg, wie die Arbeiten im Labor fortlaufen können. So war es auch bei drei meiner Mitarbeiterinnen, die innerhalb weniger Monate schwanger wurden. Sie sind es auch gewesen, die mich für den Preis vorgeschlagen haben.Die Mitarbeiterinnen haben im Verlauf ihrer Schwangerschaften Daten gesammelt, die sie nach der Geburt flexibel, im Team oder auch von zu Haus als Grundlage für ihre wissenschaftlichen Ausarbeitungen nutzen konnten.Wichtig ist vor allem, im Team für die richtige Atmosphäre zu sorgen, es so zu strukturieren, dass bei einem Ausfall eines Mitarbeiters die Arbeiten weiterlaufen. Das erfordert viel Kraft von der Führungsebene und auch viel Motivation der Mitarbeiter. Aber es lohnt sich absolut, denn das Team möchte, dass es funktioniert.

Familienbüro: Wo sehen Sie als Vorgesetzte konkrete Handlungsmöglichkeiten für Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz?

A. Moter: Ein wesentlicher Punkt sind flexible Arbeitszeiten in Verbindung mit Vertrauen gegenüber den MitarbeiterInnen. Bestimmte Sachen wie Notfallproben müssen laufen. Was jedoch darüber hinaus geschieht, wann sie ihre Sachen machen, bleibt ihnen überlassen. Natürlich greife ich ein, wenn es irgendwo knirrscht, aber das Bestreben aller Mitarbeiter ist tatsächlich, dass es läuft. Im Rahmen unserer Laborrunde kommt das Team regelmäßig zusammen. In einer Excel-Tabelle dokumentiert jeder, was in den letzten Wochen passiert ist, wo will ich stehen, wo bin ich, woran hat es gelegen. Dann sehen wir, wo jemand Unterstützung braucht.Honorarverträge und ein Raum mit Computerarbeitsplatz und Babybett erwiesen sich dabei als Kunstgriff. So konnten Mütter an wichtigen Sitzungen teilnehmen und die Schwelle nach der Elternzeit war nicht zu hoch. Mit Skype und dem Einsatz von Medien nutzen wir eine weitere Möglichkeit, Mitarbeiter einzubinden. Zum Teil ist es viel einfacher anderthalb Stunden so teilzunehmen, als aufwendig das Kind einzupacken und herzukommen.

Familienbüro: An dieser Stelle würden Wir gerne einmal einen Blick in die Zukunft werfen! Welche Ideen, Maßnahmen und Projekte haben Sie für mehr Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz?

A. Moter: In erster Linie soll das bestehende Konzept weiterleben und nächste Ideen werden insofern vorbereitet, dass ich bereits jetzt überlegen muss, welche Jobs zu beantragen sind, damit keine Lücken entstehen.Da wünsche ich mir weniger Bürokratie, weniger Schreibkram. Flexibilität.

Familienbüro: Welche Verwendungsideen möchten Sie mit dem gewonnen Preisgeld umsetzen?

A. Moter:Wir möchten mit dem Preisgeld einen größeren Monitor mit Internetzugang als feste Konferenzschaltung und zur Unterstützung unserer Weiterbildungen kaufen, damit die Eltern in unserem Team auch von zu Hause aus an den Konferenzen teilnehmen können.


Das Gespräch führten Doreen Makowiak und Arlette Schwanke.